Taiji / Qigong

WAS IST TAIJI?  WAS IST QIGONG?  WOZU DIENT BEIDES? 

Qigong ist eine bis ins 6. Jahrhundert vor Christus zurückreichende Therapieform der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Seine Wurzeln liegen in der philosophischen Gedankenwelt des Taoismus und Buddhismus. Über viele Jahrhunderte wurden spezielle Übungen, die wir heute unter dem Begriff „Qigong“ zusammenfassen, nur von Mönchen geübt, die in der Abgeschiedenheit der chinesischen Bergwelt nach Methoden forschten, die das Leben verlängern könnten. Oft handelte es sich um „Geheimwissen“, das nur innerhalb der Familien weitergegeben wurde. Erst seit dem 20. Jahrhundert erlangt diese Art der Lebenspflege seine Verbreitung in der Öffentlichkeit.

Betrachtet man die Bedeutung des Wortes, so setzt es sich aus den Silben Qi für „Lebensenergie“ und Gong für „Arbeit, Mühe“ zusammen. Dabei wird die Übersetzung von Qi dem eigentlichen Wesen des Wortes nicht gerecht. Qi steht für einen enorm wichtigen Aspekt der TCM, der weit hinausgeht über unser Verständnis von Energie. Gemeint ist eine universelle Kraft, ohne die Leben nicht möglich wäre. Für die Chinesen ist die gesamte Existenz der Welt, der Natur und damit auch des Menschen abhängig von dieser „Lebenskraft“, abhängig vom ausreichenden Vorhandensein und vom ungehinderten Fluss. Gesundheit setzt somit voraus, dass genügend Qi im Körper, in allen Organen, in den Muskeln, Gelenken, an der Körperoberfläche vorhanden ist und dieses Qi auch ungehindert gemäß seiner Natur zirkulieren kann.

Krankheit entsteht oft durch Behinderung im freien Fluss von Qi. Allzu oft verhindern aber Verspannungen, Fehlhaltung, Fehlbelastung ... diesen freien Energiefluss. Besonders unsere hektische Zeit begünstigt das Entstehen von Blockaden. Daher eignet sich diese „Arbeit mit Qi“ besonders als Ausgleich zu Stressbelastungen und als Therapie für Schmerzen des Bewegungsapparates. In chinesischen Sanatorien werden bestimmte Arten des Qigong auch zur Behandlung von schwerwiegenden chronischen Erkrankungen als ergänzende Therapieform eingesetzt.

Qigong umfasst sowohl Übungen in Bewegung, als auch Übungen in Ruhe. Die Übungen in Ruhe (Jinggong) haben meditativen Charakter, Vorstellung und Geist stehen im Vordergrund. Da sie im Sitzen oder Liegen ausgeführt werden können, eignen sie sich auch für körperlich geschwächte Personen. Nach außen hin herrscht zwar Ruhe vor, innerlich widmet sich der Übende aber ganz der Bewegung und dem Fluss von Qi. Die Übungen in Bewegung (Donggong) umfassen sanfte, weiche Bewegungsabläufe, die in Einklang mit Geist, Vorstellung und Atmung vollzogen werden.

Taiji Quan zählt in weitestem Sinne zu den Qigong Übungen in Bewegung, wobei aber aus der Tradition beim Taiji der kämpferische Ausdruck im Vordergrund stand. Zunächst wurde Taiji als familiengebunden Geheimlehre im 17. Jahrhundert aus den damals bekannten Kampfkünsten entwickelt. Erst dreihundert Jahre später, während der chinesischen Kulturrevolution, erreichte diese Bewegungsform in vereinfachter und verkürzter Version als Pekingform die Öffentlichkeit.

Das Element, das im Taiji zum Tragen kommt, umfasst das Zusammenspiel der zwei polaren Kräfte: Yin und Yang. Der harmonische Wechsel von Einatmen - Ausatmen,  Spannung – Entspannung, Vorwärts – Rückwärts, Hoch – Tief entspricht der steten Veränderung, der die Natur unterworfen ist. Das chinesische Wort „TAI“ steht in seiner ursprünglichen Bedeutung für den obersten Dachbalken eines Hauses. Übersetzt wird Tai mit: das Höchste, das Äußerste. „JI“ bedeutet: das Absolute, „Quan“ steht für Faust. Durch das Erlernen einer genau vorgegebenen Bewegungsabfolge (im Falle der Pekingform besteht diese Abfolge aus 24 Bewegungen, es existieren aber auch längere Formen und Waffenformen), durch die Konzentration auf das Zusammenspiel von Armen, Beinen, Rumpf, Kopf, Blick .... dient Taiji auch der Förderung der Merkfähigkeit, der Förderung der geistigen Ebene und ermöglicht damit ein Loslassen, ein Vergessen der Alltagsprobleme. Diesen Aspekt des Taiji, nämlich die Harmonie von Körper und Geist, könnte man als Ausdruck für die unteilbare Ganzheit des Menschen sehen.

Für welche Art der „Arbeit mit Qi“ man sich auch entscheidet, zuerst muss man seine anerzogene Denkstruktur des „Perfekt sein Wollens“ über Bord werfen. Das Ziel liegt nicht im schnellen Erlernen einer Bewegungsform, um dann sofort zur nächsten überzugehen. Ziel ist nicht das Konsumieren möglichst vieler Qigong oder Taiji Arten. Das Ziel liegt im Erkennen und Wahrnehmen des eigenen Selbst, und dabei gilt der alte chinesische Spruch: der Weg ist das Ziel. Und wer sich auf den Weg gemacht hat, mit Geduld und freudiger Neugier zu trainieren, wer sein ungeteiltes Selbst durch regelmäßiges Üben wieder wahrzunehmen beginnt, der hat sein Ziel schon erreicht.

näheres unter: www.taiji-bai.at