Akupuntur

Der Begriff Traditionell Chinesische Medizin (TCM) setzt sich aus verschiedenen Therapiemethoden zusammen, wovon Akupunktur im westlichen Raum die bekannteste ist.

Der westliche Begriff Akupunktur wird in der chinesischen  Sprache  „zhenjiu“ genannt. Das bedeutet Nadeln stechen und Moxa anbrennen. Damit ist gemeint, dass der Begriff Akupunktur nicht nur die Nadeltechnik, sondern auch Wärmetherapie sein kann.

Akupunktur in Österreich

Aufgrund ihrer positiven Forschungsergebnisse, vor allem im Bereich der Schmerztherapie, wird die Akupunktur in Österreich seit 1986  vom Obersten Sanitätsrat anerkannt. Wie alle Therapieformen in der Chinesischen Medizin bezieht sie die Grundlage der Diagnose und Therapie aus den alten philosophischen Konzepten des YIN und YANG ( ca.1000 – 700 ) und der „ Lehre nach den fünf Wandlungsphasen “wu xing“ (ca.400 –200 v. Chr.).
Alle Methoden dienen jedoch demselben Ziel, den harmonischen Fluss von Qi zu erhalten und damit den Körper vor der Entstehung ernsthafter Erkrankungen zu bewahren.

Der Begriff Qi

kann als Vitalenergie, Lebenskraft, Materie im psychischen und physischen Sinn und noch mit vielen anderen Begriffen übersetzt werden. Seine jeweilige Bedeutung ist nur aus dem Kontext zu verstehen.
Die moderne Physik würde die Erklärung der Dichotomie von Energie und Materie möglicherweise am ehesten akzeptieren.
Wichtig ist zu verstehen, dass sobald das harmonische Fließen des Qi unterbrochen wird, Befindensstörungen und langfristig betrachtet Erkrankungen entstehen können. Somit resultieren beispielsweise Schmerzen und psychische Probleme aus einer Stagnation von Qi; Müdigkeit, Erschöpfung aus Mangel an Qi  ect.

Meridiane

Meridiane sind gedachte Linien, die den Körper durchziehen ohne sichtbar zu sein. Man kann sie aber spüren, wenn sich nach Einstich der Akupunkturnadel ein Gefühl von Schwere oder Ziehen ausbreitet. In China wird dieses Gefühl als „deqi“= „Ankommen des Qi“, benannt. Meridiane verbinden Akupunkturpunkte miteinander, die an der Körperoberfläche liegen, aber auch alle Organe im Körperinneren. Sie haben ähnliche Funktion wie Lichtleiter, die anstatt Licht, Qi = Energie weiterleiten. Die Innen/Außen Verbindung der Meridiane nützt der Therapeut sowohl diagnostisch als auch zur Behandlung.
Beispiel: Schulterschmerzen, die sich entlang des Dickdarm Meridians ausbreiten, können sowohl durch Störung der Muskulatur oder des Dickdarms selbst verursacht sein

Diagnose

Um beim vorher genannten Beispiel zu bleiben, erhebt sich die Frage, wie kann ein Akupunkteur nun unterscheiden woher der Schmerz kommt? Dazu bedient er sich wie in der Schulmedizin einer genauen Anamnese, in weiterer Folge aber auch der Zungen und Pulsdiagnostik.

Zungendiagnostik

Die Zunge liefert eine Reihe von Hinweisen über die Energieverteilung im Körper, wie z.B. ob zuviel Hitze/ Kälte oder Fülle/ Leere vorhanden ist und anderes mehr. Dazu wird der Zungenkörper, die Farbe der Zunge, der ev. vorhandene Zungenbelag, die Zungenvenen genau inspiziert.

Pulsdiagnostik

Die Pulsdiagnostik gilt in der TCM als hohe Kunst. Im Alten China war es nicht üblich hochrangige Persönlichkeiten zu befragen, anzugreifen oder auch nur zu sehen. Der Arzt war von seinem Patienten durch einen Vorhang getrennt und musste nur anhand der Pulse die Erkrankung erkennen. Dazu brauchte er viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Heute können wir uns glücklicherweise  moderner Diagnoseverfahren bedienen, trotzdem geben die unterschiedlichen Pulsbeschaffenheiten oft wichtige diagnostische Hinweise und erleichtern somit den Therapieansatz.

Therapie

Mittels Einstich einer Nadel oder mit Lichtinformation (= low level laser) am Akupunkturpunkt, wird entstandenes Ungleichgewicht zwischen den Kräften

des YIN und YANG  ausgeglichen und Qi  bewegt. Wenn Kälte die Ursache für eine Störung (Erkältung) ist, wird zusätzlich noch Moxa als Wärmetherapie verwendet. Moxa ist ein spezielles Beifußkraut, welches über die Akupunkturnadel Wärme in den Körper leitet. Der Körper hat dadurch die Möglichkeit sich wieder in Balance zu bringen, die Akupunktur hilft ihm dabei sich rascher zu regulieren. Akupunktur ist demnach eine REGULATIONSTHERAPIE, welche von der individuellen Reaktionsmöglichkeit des Organismus abhängt und keinesfalls im Körper etwas bewirken kann, wozu dieser nicht in der Lage ist. Auch der Zeitpunkt des Therapiebeginns ist entscheidend für den Erfolg. So kann der Körper eine Erkrankung, die seit zehn Jahren besteht, nicht in zwei Wochen regulieren. Daher ist bei chronischen Erkrankungen eine längere Behandlungsdauer zu erwarten.

Die Nadeln sind sehr dünn, und ein erfahrener Therapeut sticht ohne Schmerzen zu verursachen. Kinder werden nur mittels Laserbestrahlung oder Aufkleben kleiner Samenkörner an den Punkten behandelt, dies ist eine Form der Akupressur. Ergänzend oder auch statt der Nadeln, kann Akupunktmassage das Qi in den Meridianen aktivieren. Patienten beschreiben ihre Wirkung oft als angenehm befreiend und energetisch aktivierend.
Akupunktur kann nicht bei jedem Menschen eine Heilung herbeiführen, jedoch oft sehr positive Effekte erzielen. Auch ein Zusammenwirken mit anderen Methoden (z.B. Schulmedizin, Homöopathie u.a.m) ist sinnvoll.

Die WHO empfiehlt Akupunktur bei folgenden Erkrankungen (Auszug aus der Liste der Krankheiten):

  • Heuschnupfen
  • rheumatische Beschwerden
  • akute/chronische Bronchitis
  • Gelenksschmerzen
  • akuter/chronischer Schnupfen
  • Menstruationsbeschwerden
  • Bronchial-Asthma
  • Kopfschmerzen
  • Migräne
  • Zahnschmerzen
  • Unfruchtbarkeit bei Frauen
  • Probleme der Wirbelsäule
  • Drogenentwöhnung
  • Entgiftung